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Postkarten-Krimis

Postkarten-Krimis sind ein interessantes Format, wie ich finde. Und wer weiß, vielleicht wird ja einmal ein längerer Text daraus.

Bei meinen Postkarten-Krimis gibt es nur eine Regel: Nicht mehr als 850 Zeichen, damit der Text auf eine Postkarte passt.

Freundschaft

Postkarten-Krimi: FreundschaftPostkarten-Krimi: Freundschaft

„Wir waren doch Freunde ...“

Fast zärtlich und mit feuchten Augen zog Max den Reißverschluss von Toms Anorak ganz nach oben. Dann setzte er seinen besten Kumpel aus alten Schulzeiten so auf die Sitzbank, dass Toms Kopf bequem an der Glasscheibe ruhte.

„Freunde für Leben wollten wir sein.“

Vorsichtig zupfte Max an der blauen Strickmütze, die Tom trug, bis der Rand dicht über den Augenbrauen endete.

„Seltsam“, dachte Max. „Wie stark doch ein kleiner roter Punkt auf der Stirn von den Gesichtszügen ablenkt.“

Tom hatte ein ausgesprochen markantes, schönes Gesicht, das bei den Frauen sehr gut ankam. Leider auch bei Emily.

Max schloss die Tür der Seilbahnkabine und schaltete auf Bergfahrt. Bis zum Beginn der Sommersaison musste er sich etwas einfallen lassen.

Kaiserwetter

Postkarten-Krimi: Kaiserwetter

Dramatisch. Nicht die Sache mit dem jungen Achleitner, sondern die wirtschaftliche Situation.

Achleitners Problem war sein fehlendes Fingerspitzengefühl. Nicht erst seit heute, auch schon früher. So konnte er vielleicht in den höher gelegenen Skiorten auftreten, aber doch bitte nicht hier.

Andreas Pichler öffnete seine große Gefriertruhe und begann den Inhalt auf zwei Kühlboxen zu verteilen. Er würde die Speisekarte umschreiben müssen – heute noch, denn er brauchte den Platz. Zum Glück hatte es zum Ende der Saison den lang ersehnten Schnee gegeben und das Wochenende versprach Kaiserwetter. Zahltag – endlich. Und in Zukunft würde es auch keine Beanstandungen wegen fehlender Hygienemaßnahmen mehr geben.

Pichler packte Achleitner unter den Armen und hievte den jungen Lebensmittelkontrolleur in sein kühles Grab.

Spiele mit Handschellen

Postkarten-Krimi: Spiele mit Handschellen

Auf dem Pannenstreifen der Stadtautobahn bringe ich den Streifenwagen zum Stehen. Mir ist schwarz vor Augen. Ich schaffe es nicht mehr bis ins Krankenhaus.

Der Fall ist klar, die Welt kompliziert.

Eine Routinebefragung. Sie: das Opfer häuslicher Gewalt. Er: flüchtig.

Die Erinnerung ließ Tränen bei ihr aufsteigen. Sie brauchte eine starke Schulter. Irgendwie fanden wir uns dann in ihrem Bett wieder. Sie wollte Spiele mit Handschellen, ich nachher noch kurz ins Bad.

Dann stand ihr Mann im Schlafzimmer. Ich blickte in den Lauf meiner Dienstwaffe. Ein Schuss. Dann wieder Tränen. Mit beiden Armen umklammerte sie ihren Mann. Dann rutschte sie an ihm herunter, lag vor seinen Füßen, weinte.

Er nahm ihr vorsichtig die Pistole aus der Hand.

Ich griff mir ein Handtuch, drückte es auf meine blutende Wunde und verschwand.

Zelt am See

Postkarten-Krimi: Zelt am See

„Aber jemand muss das Zelt doch hier aufgebaut haben.“

Der Betreiber des kleinen Farm-Campingplatzes blickte wortlos auf seine Gummistiefel.

„Wie lange steht das Zelt schon hier?“

„Seit zwei – nein, seit drei Tagen. Da waren wir zum Einkaufen in Glasgow. Und als wir zurückkamen, stand es hier.“

„Und Sie haben die ganze Zeit niemanden gesehen?“

„Ich war gestern zum ersten Mal bei dem Zelt, weil ich Angst hatte, dass der vielleicht abhaut, ohne zu zahlen.“

„Und?“

„Ich habe nur ein Schnarchen gehört, und da habe ich mir gesagt, ich schaue später noch mal vorbei.“

„Aber stattdessen haben Sie dann die Polizei gerufen?“

„Nein, nicht gleich. Erst als ich diese grauenvollen Schreie aus dem Zelt gehört habe.“

„Aber das Zelt ist leer!“

„Eben, Herr Inspector. Es passiert gerade wieder. Alles ist genau wie vor zehn Jahren, als meine Schwester verschwand.“

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