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6. Bergischer 6-Stundenlauf – Remscheid, Eschbachtalsperre, 6. Juli 2019

Veröffentlicht am 08.07.2019

Bergischer 6-StundenlaufEin Laufbericht von Uli Schiffgen

Steffi hat immer die besten Ideen! So fragte sie mich überraschend vor zwei Wochen, ob wir nicht gemeinsam bei einem 6-Stundenlauf starten wollen. »Zwanzig Kilometer schaffst du doch, und dann guckst du einfach mal, wie weit du kommst.«

Meine liebe Frau hatte sich den 6-Stundenlauf im Bergischen Land ausgeguckt. Für sie ein wichtiger Formtest. Für mich der klare Hinweis, dass ich den Großteil des 6. Julis offensichtlich an der zugegebenermaßen sehr idyllischen Eschbachtalsperre verbringen würde.

Wie dieser Tag als Steffis-Betreuer und Edelhelfer aussehen würde, wusste ich schon vom letzten Jahr. Dabei hatte ich auch die 2,9 Kilometer lange Laufstrecke, die rund um die Talsperre führt, mehrfach abgewandert. Eine Laufstrecke ganz nach meinem Geschmack. Abwechslungsreiche Wanderwege überwiegend im Schatten und ein gut bestückter Verpflegungsposten am Ende der Staumauer.

Da ich mich Steffis schlüssiger Argumentation nicht verschließen konnte, fand ich mich morgens um 10:00 Uhr als stolzer Träger der Startnummer 170 am Start meines allerersten 6-Stundenlaufs wieder. Steffi hatte sich in der Mitte des Starterfeldes einsortiert und verschwand direkt nach dem Start in der großen Staubwolke, die die Läufer auf den trockenen Waldwegen aufwirbelten.

Ich hatte mich am Ende des Feldes, das aus 146 Läuferinnen und Läufern bestand, eingereiht. Mein ausgeklügelter Plan nach einer Woche Laufpause: So langsam starten, dass meine einmal mehr verhaltensauffällige Wade es gar nicht mitbekommt, dass ich nicht mehr auf der Couch liege.

Um es vorwegzunehmen: Dieser Teil meines Plans ging auf. Außerdem wollte ich frühzeitig Gehpausen einlegen. So hoffte ich, den Zeitpunkt, an dem Joggen nicht mehr möglich sein würde, möglichst weit hinauszuzögern. Ja - die liebe Theorie.

Die ersten sieben Runden absolviere ich in einem gleichmäßigen, gemütlichen 7:10er Tempo. Falls ich diese Geschwindigkeit durchhalte, schaffe ich in 6 Stunden 50 Kilometer. Auch dies eher ein Gedankenmodell. Man hat ja viel Zeit zum Nachdenken und Träumen bei so einem Lauf. Nach 2,5 Stunden gönne ich mir eine erste Toilettenpause. Da im Landschaftsschutzgebiet Wildpinkeln verboten ist und die Beine noch kein Problem mit den Extratreppen in dem an der Wettkampfstrecke gelegenen Hotel haben, wähle ich natürlich die korrekte Variante. So bekomme ich auch nicht mit, dass Steffi mich zum ersten Mal überrundet.

Das Thema Trinken ist ein eigenes bei langen Läufen und sommerlichen 25 °C. In jedem Fall rechtzeitig und genug, aber nicht so viel, dass man ständig in die Boxengasse muss. Ein anderes Thema ist das Essen. Ich bin nicht der große Frühstücker, und nach drei Stunden Laufzeit erwische ich mich dabei, dass ich mir am Verpflegungsposten gierig ein Schoko-Lebkuchen-Herz zusammen mit einem Stück Fleischwurst in den Mund stopfe. Klar, dass ihr mich jetzt nicht mehr zum Essen einladen werdet.

Nach meinem überwundenen Hungerast entdecke ich leichte Anstiege auf der Seerunde, die ich in den ersten Runden gar nicht wahrgenommen habe. Tückischerweise werden diese Anstiege nun jede Runde steiler. Ich habe den Veranstalter im Verdacht und nutze diese Bergpassagen kurzerhand als Rechtfertigung für meine immer länger werdenden Gehpausen.

Nach fünf Stunden läuft es auch im schnellen Wanderschritt nicht mehr rund, sodass ich mich immer wieder als Kurzstreckenläufer probiere. Vielen meiner Mitläufer scheint es ähnlich zu gehen. Nur wenige Superhelden*innen ziehen unbeirrt ihre Runden. Ich habe sie inzwischen durchnummeriert, so häufig haben sie mich schon überrundet. Dann ruft Steffi von hinten meinen Namen. Während sie an mir vorbeiläuft, bestätige ich ihr mühsam lächelnd, dass dieser Lauf eine supertolle Idee war. Sie will auf jeden Fall mehr als 50 Kilometer laufen. Mich ermutigt sie, 45 Kilometer anzustreben, der Lauf wird dann von der DUV als Ultra gewertet.

Aber heute wird kein Ultra-Läufer mehr aus mir. Zehn Minuten vor Zielschluss passiere ich zum letzten Mal mit 43,5 Kilometern in den Beinen den Verpflegungsposten und greife mir einen völlig schlaffen Luftballon, an dem ein Schlüsselanhänger mit der Nummer 170 befestigt ist. Treffender hätte man die Markierung, die ich nachher zur Vermessung der Restmeter auf der Strecke ablege, nicht wählen können. Noch 10 Minuten für 1,5 Kilometer. Normalerweise ein Klacks, aber an diesem warmen Sommertag hilft auch kein gutes Zureden mehr. Nach 44,65 Kilometern ist Schluss.

Am Tag nach dem Lauf habe ich sehr konkrete Vorstellungen davon, welche Muskelpartien künftig besser trainiert werden wollen, wenn ich im nächsten Jahr 350 Meter mehr schaffen möchte. Steffi, der es beim Laufen nie kalt genug sein kann, ist ganz zufrieden mit ihren 51,1 Kilometern und plant gerade weitere Ultras.

 

Link zur Veranstaltung: https://bergischer6stundenlauf.wordpress.com

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