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Krimis To Go

Postkartenkrimis sind ein interessantes Format, wie ich finde. Und wer weiß, vielleicht wird ja einmal ein längerer Text daraus.

Bei den Krimis gibt es nur eine Regel: Der Text muss auf eine Postkarte passen.

 

Geschwisterzwist, Kurzkrimi

Geschwisterzwist

Staunend taumelte ich zurück.
Ich hatte nicht erwartet, Emily noch einmal zu sehen.

Zu Beginn war es ein harmonischer Sonntagnachmittag gewesen. Die Soul-Musik klingt immer noch in meinen Ohren. Die Maibowle schmeckte nach verbotenen Früchten und nach Leidenschaft.

Emilys geblümtes Cocktailkleid zog wie immer alle Männerblicke auf sich. Aber meine Schwester hatte nur Augen für Ramos. Meinen Ramos.

War Emily wirklich so naiv? Dachte sie wirklich, ich würde alles mit ihr teilen?

Die Szene, die ich ihr öffentlich machte, hatte es in sich. Schreiend und weinend lief sie einfach davon. Auch Ramos wurde an diesem Nachmittag nicht mehr gesehen.

Anklagend baumelte Emily nun vor mir. Dass sich mein Problem nun endgültig löste, hatte ich nicht erwartet.

Nun stand unserer Hochzeit nichts mehr im Wege. Danke, Ramos. Was für ein Liebesbeweis.

Dann legten sich zwei kalte Hände um meinen Hals.

 

Pooldown, Kurzkrimi

Pooldown

'Krimi to go' – du bist ja witzig. Ich geh gerade mal überhaupt nirgendwo hin!
Ich bleib hier am Pool. Hab mir extra die Haare grünblau gefärbt, damit sich auch der senilste Gast noch an mich erinnern kann.

Ja, richtig! Blau steht für Erkenntnis und Grün für Hoffnung. Die Erkenntnis, dass ich ohne ihn besser zurechtkomme und die Hoffnung, dass er in seiner letzten Stunde nicht zu sehr leiden muss.

Obwohl. Die Dobermänner waren seine Idee.

Guck mich nicht so an, ich habe nur einen Scherz gemacht!
Es sind seine Herztabletten.

Er muss einfach nur die Finger von diesem Flittchen lassen, denn 'seine Apothekerin' rettet ihn heute nicht.

Postkartenkrimi: Der letzte Plan

Der letzte Plan

Mein Plan war gut gewesen. So gut, dass ich eine Ewigkeit brauchte, um zu verstehen, was schiefgelaufen war. Aber der Richter gab mir die Zeit und noch zehn Jahre obendrauf.

Wenigstens stand der Citroën noch genau dort, wo ich ihn abgestellt hatte. Der Tipp mit der gleichgültigen Nachbarschaft. Aber ich hätte die Fenster schließen sollen.

Etwas Gartenarbeit und dreimal kräftig an der Kurbel gedreht und ich bin wieder im Geschäft. Wichertstraße, Pappelallee … Det is nich mehr meen Berlin.
Aber die Bankfiliale sieht fast unverändert aus.

Ich schnappe meine Arzttasche und ziehe den Damenstrumpf über den Kopf.
Bankdirektor Uwe Sielmann lächelt in eine Kamera. Heute ist sein letzter Arbeitstag.
Dann wird er blass. Anders als vor fünfzehn Jahren. Dabei habe ich heute nicht mal meine Knarre dabei.

Dennoch kreischt 'ne Brünette.
Ich öffne die Tasche und kippe Uwe die Kohle vor die Füße.
Hier ist dein Anteil, mein Freund.

Kurzkrimi: Schmutzige GeschäfteKurzkrimi: Schmutzige Geschäfte

Schmutzige Geschäfte

Nur weil ich tanze, bin ich noch lange keine Tänzerin.
An dem Tisch vor mir wird laut gelacht.

Obwohl ich exotisch aussehe, verstehe ich doch, was du sagst.
Der Small Talk ist vorbei, jetzt geht‘s ums Geschäft.

Und deine Blicke kann man sowieso nicht missverstehen.
„Du kannst sie haben, wenn du willst“, grunzt Ziegenbart.

Du fühlst dich erwischt.
Du bist echt niedlich, aber deine Geschäfte sind es nicht.

Schmutziges Geld für dreckige Waffen.
Ich umtanze den Tisch.

„Dein Kopfschmuck ist heiß.“
Du greifst nach mir, zwei kleine Kameras filmen dein Gesicht.

Ihr seid euch einig, zwanzig Riesen, das ist der Deal.
Verstanden, gesendet, gespeichert. Ertappt!

Unauffällig tanze ich zur Tür, dich immer im Blick.
Meine Hand tastet nach der Klinke, deine nach deiner Waffe.

„Zugriff!“, raune ich in mein Mikrofon.

Postkarten-Krimi: FreundschaftPostkarten-Krimi: Freundschaft

Freundschaft

„Wir waren doch Freunde ...“

Fast zärtlich und mit feuchten Augen zog Max den Reißverschluss von Toms Anorak ganz nach oben. Dann setzte er seinen besten Kumpel aus alten Schulzeiten so auf die Sitzbank, dass Toms Kopf bequem an der Glasscheibe ruhte.

„Freunde für Leben wollten wir sein.“

Vorsichtig zupfte Max an der blauen Strickmütze, die Tom trug, bis der Rand dicht über den Augenbrauen endete.

„Seltsam“, dachte Max. „Wie stark doch ein kleiner roter Punkt auf der Stirn von den Gesichtszügen ablenkt.“

Tom hatte ein ausgesprochen markantes, schönes Gesicht, das bei den Frauen sehr gut ankam. Leider auch bei Lena.

Max schloss die Tür der Seilbahnkabine und schaltete auf Bergfahrt. Bis zum Beginn der Sommersaison musste er sich etwas einfallen lassen.

Postkarten-Krimi: Kaiserwetter

Kaiserwetter

Dramatisch. Nicht die Sache mit dem jungen Achleitner, sondern die wirtschaftliche Situation.

Achleitners Problem war sein fehlendes Fingerspitzengefühl. Nicht erst seit heute, auch schon früher. So konnte er vielleicht in den höher gelegenen Skiorten auftreten, aber doch bitte nicht hier.

Andreas Pichler öffnete seine große Gefriertruhe und begann den Inhalt auf zwei Kühlboxen zu verteilen. Er würde die Speisekarte umschreiben müssen – heute noch, denn er brauchte den Platz. Zum Glück hatte es zum Ende der Saison den lang ersehnten Schnee gegeben und das Wochenende versprach Kaiserwetter. Zahltag – endlich. Und in Zukunft würde es auch keine Beanstandungen wegen fehlender Hygienemaßnahmen mehr geben.

Pichler packte Achleitner unter den Armen und hievte den jungen Lebensmittelkontrolleur in sein kühles Grab.

Postkarten-Krimi: Spiele mit Handschellen

Spiele mit Handschellen

Auf dem Pannenstreifen der Stadtautobahn bringe ich den Streifenwagen zum Stehen. Mir ist schwarz vor Augen. Ich schaffe es nicht mehr bis ins Krankenhaus.

Der Fall ist klar, die Welt kompliziert.

Eine Routinebefragung. Sie: das Opfer häuslicher Gewalt. Er: flüchtig.

Die Erinnerung ließ Tränen bei ihr aufsteigen. Sie brauchte eine starke Schulter. Irgendwie fanden wir uns dann in ihrem Bett wieder. Sie wollte Spiele mit Handschellen, ich nachher noch kurz ins Bad.

Dann stand ihr Mann im Schlafzimmer. Ich blickte in den Lauf meiner Dienstwaffe. Ein Schuss. Dann wieder Tränen. Mit beiden Armen umklammerte sie ihren Mann. Dann rutschte sie an ihm herunter, lag vor seinen Füßen, weinte.

Er nahm ihr vorsichtig die Pistole aus der Hand.

Ich griff mir ein Handtuch, drückte es auf meine blutende Wunde und verschwand.

Postkarten-Krimi: Zelt am See

Zelt am See

„Aber jemand muss das Zelt doch hier aufgebaut haben.“

Der Betreiber des kleinen Farm-Campingplatzes blickte wortlos auf seine Gummistiefel.

„Wie lange steht das Zelt schon hier?“

„Seit zwei – nein, seit drei Tagen. Da waren wir zum Einkaufen in Glasgow. Und als wir zurückkamen, stand es hier.“

„Und Sie haben die ganze Zeit niemanden gesehen?“

„Ich war gestern zum ersten Mal bei dem Zelt, weil ich Angst hatte, dass der vielleicht abhaut, ohne zu zahlen.“

„Und?“

„Ich habe nur ein Schnarchen gehört, und da habe ich mir gesagt, ich schaue später noch mal vorbei.“

„Aber stattdessen haben Sie dann die Polizei gerufen?“

„Nein, nicht gleich. Erst als ich diese grauenvollen Schreie aus dem Zelt gehört habe.“

„Aber das Zelt ist leer!“

„Eben, Herr Inspector. Es passiert gerade wieder. Alles ist genau wie vor zehn Jahren, als meine Schwester verschwand.“

Postkartenkrimi: Harrods - Brompton Road

 

Harrods - Brompton Road

„Ich rieche die Scones schon.“ Mit den Gedanken bei Ellen Blundells selbst gemachtes, ofenwarmes Gebäck, Clodded Cream und einer Tasse schwarzen Assam Tees betrat Inspector Georg Stanway das Deck der Blue Dolfin.

Der Anblick zweier wohlgeformter Beine ließ seinen Speichelfluss abrupt versiegen. Die schneeweißen amputierten Unterschenkel ragten vom Deck des Hausbootes gegen Himmel. Sie gehörten einer Schaufensterpuppe. Mit einem Schritt war George bei der blauen Doppeltür, riss sie auf und sprang den Niedergang nach unten und stellte den Ofen aus.

Die Scones gerettet, von der einzigen Zeugin keine Spur.

Der altgediente Inspector von Scotland Yard hatte mit der überaus aufmerksamen Verkäuferin von Harrods die Verhaftung des Londoner Kaufhausmörders feiern wollen.

Kurzkrimi: Die Augenzeugin

 

Die Augenzeugin

Klein, unscheinbar, versteckt in einer Seitengasse. Ein weiteres Graffiti. Kommissar Borg hatte keine Sekunde gezweifelt. Ein Selbstporträt der Zeugin. Zum Glück hatte er sie gefunden, bevor sie sich bei der Polizei melden konnte.

Anna Herlitz, 31, Künstlerin, las er im Bericht des ermittelnden Kollegen. Todesursache: Stumpfe Gewalt. Genau wie bei Ina.

Letzte Woche war der Streit mit seiner ehrgeizigen Kollegin auf dem Parkplatz eskaliert. Die große Blutlache auf dem ersten Graffiti am Markt war jedoch nur Effekthascherei. Viel zu viel rot. Aber das Bild hatte ihn gewarnt.

Dann der Schock: Ein Graffiti an Borgs Garagentor. In der Linse eines Fernrohres spiegelte sich ein Polizist, der einen Hammer schwang. Er hatte das Bild sofort übermalt. Borg wollte die Akte gerade schließen, als er las, dass Anna Herlitz erst vorgestern aus den USA zurückgekehrt war.

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